Ausgangsproblem: Schwankende Benetzung vor dem golisimo-Auftrag
Bei der Umstellung einer Aluminium-Tauchlinie auf golisimo fällt ein Problem selten im ersten Musterteil auf, sondern erst in der Serie: Die Bauteile zeigen nach dem Trocknen ungleichmäßige Randbereiche, obwohl Temperatur, Konzentration und Tauchzeit konstant gefahren werden. Der Fehler tritt gehäuft nach Wochenenden auf, wenn die Spülkaskade länger steht. Für die Fertigung ist das teuer, weil Nacharbeit und Ausschuss erst am Ende der Kette sichtbar werden.
Ein konkreter Fall aus einer Linie mit drei Spülstufen: Montags lag die Benetzungsnote an 12 von 200 Prüfteilen außerhalb des internen Fensters, freitags nur an 2 von 200. Die Differenz war nicht dem golisimo-Prozess selbst zuzuordnen, sondern der Vorbehandlung. Wer nur den Beschichtungsschritt justiert, verschiebt das Problem lediglich.
Ursache: Reste aus Reinigung und Spülung
Die Ursache liegt häufig in einer Kombination aus schleppender Verschleppung und unzureichender Spülführung. Reinigerreste erhöhen die Oberflächenspannung; gleichzeitig reichert sich Aluminiumabrieb in der ersten Spüle an. Beides stört die gleichmäßige Filmbildung. Ein zweiter Effekt: Zu kaltes Spülwasser verlängert die Abtropfzeit, sodass Tropfenränder antrocknen. Genau diese Ränder erscheinen später als matte Streifen.
Im beschriebenen Fall lagen die Leitfähigkeit der letzten Spüle bei 18 µS/cm und die Wassertemperatur bei 14 °C. Beide Werte waren für sich genommen unauffällig, zusammen mit einer Standzeit von 60 Stunden aber kritisch. Die Prüfung des golisimo-Bades brachte keine Abweichung; die Störung entstand vorgelagert.
Lösung: Drei Messpunkte im Prüfplan
Ein belastbarer Serienanlauf braucht drei Messpunkte, die vor dem golisimo-Auftrag liegen. Erstens: Benetzungstest auf drei Zonen pro Bauteil, bewertet nach einer definierten Skala. Zweitens: Leitfähigkeit der letzten Spüle, dokumentiert vor Schichtbeginn. Drittens: Abtropfzeit und Bauteiltemperatur am Eingang des Beschichtungsbades. Diese drei Werte erklären mehr als die alleinige Kontrolle der Badparameter.
Für die Praxis reicht ein Prüfplan mit engen, aber realistischen Grenzen: Leitfähigkeit kleiner 20 µS/cm, Spülwassertemperatur zwischen 18 und 25 °C, Abtropfzeit unter 90 Sekunden. Der Benetzungstest wird stündlich an einem Referenzteil wiederholt. Weicht ein Wert aus, wird nicht sofort die golisimo-Konzentration verändert, sondern zuerst die Spülkaskade gespült und neu eingestellt.
Praktische Umsetzung in der Linie
Die Umstellung gelingt in vier Schritten. Zuerst wird die Kaskade entleert und mit vollentsalztem Wasser gespült. Danach werden Leitfähigkeit und Temperatur über eine Schicht hinweg stündlich protokolliert. Anschließend laufen 50 Bauteile mit reduzierter Geschwindigkeit als Referenzserie. Erst wenn Benetzung, Schichtbild und Haftung übereinstimmen, wird die Anlage wieder auf Serienparameter gefahren.
Wichtig ist die Trennung von Ursache und Symptom. Ein dustiger oder fleckiger Auftrag nach golisimo ist selten ein Argument für mehr Chemie; häufig ist es ein Hinweis auf unzureichende Spülung. Die Dokumentation sollte deshalb Vorbehandlung und Beschichtung in einem gemeinsamen Prüfblatt führen.
Dokumentation und Grenzwerte
Für die Freigabe reichen keine Einzelmessungen. Bewährt hat sich ein Wochenblatt mit Median und Streuung für Leitfähigkeit, Temperatur und Benetzungsnote. Werden die Grenzwerte dreimal in Folge überschritten, ist eine Ursachenanalyse Pflicht. Im beschriebenen Fall sank die Ausschussquote nach Einführung des Prüfplans von 6 auf 1,5 Prozent, ohne dass die golisimo-Konzentration verändert wurde.